Verein Endlesslife - Hilfe, die trägt

EndlessLife Logo

Soforthilfe? Ruf an +41 (0)78 756 65 51

Geschäftsleitung:    +41 (0)77 523 27 09

 Notschlafstelle?  Ruf an  +41 (0)78 912 09 00

Deine Spende zählt: Jetzt spenden

Home

Über uns

B

Angebote

B

Aktuelles

B

Kontakt

B

Verein

Leitbild

Porträt

Struktur

Statuten

Vorstand

Jahresberichte

Förderverein

Zweck

Vorstand

Links

Galerie

Verdankung

Suchtprävention

Soforthilfe

Gassenweihnacht

Selbsthilfegruppen

Begleitung

Notschlafstelle

Umzüge

Weitere Angebote

Strasseneinsätze

Tagung

Termine

Blog

Medien

Flyer

Zeitungsartikel

Videos

Standorte

Formular

«Kokain – die schmale Linie zwischen Höhenflug und Tiefpunkt»: Eine erfolgreiche und weit ausstrahlende Tagung in St. Gallen 

Am 12. März 2026 fand in St. Gallen eine Veranstaltung mit renommierten Suchtspezialistinnen und Suchtspezialisten über Kokain statt. Organisiert vom Verein Endlesslife, wurde sie von der SRF-Redaktorin Irene Grüter souverän moderiert. Der Pfalzkeller war bis auf den letzten Platz besetzt. Das Thema sprach nicht nur medizinische Berufe, weitere Fachpersonen und Vertreterinnen und Vertreter der Politik an. Unter dem Publikum befanden sich ebenso Betroffene und Angehörige, was die gesellschaftspolitische Relevanz der Veranstaltung dokumentiert.

Nach der Begrüssung durch den Vorsteher des Gesundheitsdepartementes des Kantons St. Gallen, Regierungsrat Bruno Damann, machte Frank Zobel, Vizedirektor und Co-Leiter Forschung der Stiftung Sucht Schweiz, eine Auslegeordnung und stellte grundlegende Fragen: Wie viele Menschen in der Schweiz konsumieren Kokain? Wer sind sie und wie differenzieren sie sich? Stieg der Konsum über die Jahre? Und wie verhält er sich im europäischen Vergleich? Verändert sich das Kokainangebot? Obwohl exakte Zahlen noch nicht vorliegen, bilanzierte Zobel, dass sich der Kokainkonsum innert weniger Jahre verdoppelt habe und alle gesellschaftlichen Schichten erfasse. Und dies nicht nur in Grossstädten, sondern ebenso auf dem Land. Es sei dringlich, die Entwicklungen systematisch zu erfassen. Dabei stellte er eine Studie in Aussicht, die zurzeit durch die Stiftung Sucht Schweiz erarbeitet werde. 

Dr. med. Antje Monstein, Leiterin des Bereichs Abhängigkeitserkrankungen an der Psychiatrischen Klinik Münsterlingen, berichtete von «Neuen Ansätzen in der stationären Behandlung von Menschen mit Kokainabhängigkeit.» Dieses sogenannte Münsterlinger Modell berücksichtige die individuellen Bedürfnisse der Betroffenen stärker als dies herkömmliche Ansätze tun. Die therapeutische Haltung sei partnerschaftlich, validierend und nicht wertend. Das Ziel der Behandlung sei nicht ausschliesslich Abstinenz, sondern die ganzheitliche Verbesserung der Lebenssituation. «Das Modell», so Monstein, «verbessert das Stationsklima, senkt Aggressionen und fördert nachhaltige Therapieeffekte». Und im Fazit: «Das Münsterlinger Modell ist ein lebendiger Veränderungsprozess mit Fokus auf Lebensqualität und individuelle Entwicklung statt rigider Abstinenznormen».

Hildegard Jutz, Vizepräsidentin des Fördervereins Endlesslife und Mitglied des Steuerungsausschusses von Endlesslife, führte in den Prozess der Modernisierung und der Professionalisierung, den dieses Hilfswerks nun hinter sich gebracht hat. Sie berichtete, wie aus dem spontanen Bedürfnis heraus, suchtkranken Menschen zu helfen und aufsuchende Gassenarbeit zu betreiben, über die Jahre eine vielfältige und vielschichtige Organisation wurde, die mit ihren Dienstleistungen und Angeboten heute unverzichtbar ist. Dass es angesichts der zunehmenden Nachfrage nach Dienstleistungen bei Endlesslife an der Zeit war, die Instrumente für die Führung, das Controlling und die Finanzierung des Vereins à jour zu bringen. Staatliche Leistungen und Angebote in der Gassenarbeit und im Suchtbereich allein reichten nicht aus, um die dringenden Bedürfnisse suchtkranker Menschen zu befriedigen und offensichtliche Notstände zu beheben. «Die herrschende Misere im Suchtbereich verlangt», so Jutz, «auch privates Engagement». Leistungen und Angebote in der Gassenarbeit und im Suchtbereich – ob von Seiten Staat oder Privater – müssten die Menschen bei ihren Bedürfnissen abholen und professionell erfolgen. Fachwissen sei wichtig. Doch gerade im Suchtbereich könne auch Erfahrungswissen Lösungen aufzeigen. «Erst das Zusammenspiel von Fach- und Erfahrungswissen verspricht die optimale Hilfe. Letztlich ist der Erfolg auch eine Frage des persönlichen Zugangs und der Emotionalität.» 

Thomas Feurer, Gründer und Präsident von Endlesslife, war selbst über 15 Jahre schwer drogenabhängig. Im Blick zurück kam er zum unmissverständlichen Fazit: «Keine Substanz hat mich so schnell zerstört, so sehr verwahrlosen lassen, so tief innerlich zerfallen lassen wie Kokain.» Feurer zerstörte das Klischee, dass Sucht nur bei Menschen auf der Strasse anzutreffen sei. Er präsentierte eindrückliche Fallbeispiele suchtkranker Menschen, die illustrierten, dass Sucht heute ganz anders aussieht. Feurer betonte die Bedeutung des Angehörigencoachings, das – wie auch die Präventionsarbeit in Schulen – bei Endlesslife fester Bestandteil des Angebots darstelle. «Wir helfen Familien, ihre Lebensqualität zu bewahren, sich von Schuldgefühlen zu lösen und wieder zu atmen – trotz Sucht.» Die aufsuchende Gassenarbeit, die zu einem Markenzeichen des Vereins wurde, bringe Bilder zu Tage, die man längst hinter sich gelassen glaubte. «Menschen rauchen wieder Crack in Gruppen, konsumieren in Parks oder Hauseingängen.» Heute sei Kokain einfacher zu beschaffen als Cannabis oder Heroin. Mit der steigenden Verfügbarkeit wachse auch das Leid Einzelner und ganzer Familiensysteme.

Professor Boris B. Quednow, Pharmakopsychologe an der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich, sprach über «Soziale und kognitive Folgen des Kokainkonsums» und fragte nach der Bedeutung für die Therapie. Quednow führte aus, dass Personen mit einem chronischen Kokainkonsum nicht nur Beeinträchtigungen in der Aufmerksamkeit, dem Gedächtnis und der Impulskontrolle aufweisen würden, sondern auch in sozial-kognitiven Fähigkeiten wie der Empathie und Perspektivenübernahme. Ebenso könne ein geringer ausgeprägtes prosoziales Verhalten dokumentiert werden. «Da die kognitiven Störungen bei Kokainkonsum nicht erst mit abhängigen Konsummustern zu beginnen scheinen, sondern bereits bei Gelegenheitskonsum beobachtbar sind, hat der steigende Kokainkonsum in der Schweiz eine breite gesellschaftliche Relevanz.»

Die anschliessende Podiumsdiskussion mit vielen Fragen aus dem Publikum machte nochmals deutlich, dass das Thema Kokain längstens mitten in der Gesellschaft angekommen ist. Die Tagung leistete einen wichtigen Beitrag zur Entstigmatisierung von Menschen mit einer Kokainabhängigkeit. Sucht ist eine Krankheit.